|
Zwar sind wir Menschen Einzelwesen, aber zugleich doch auch untereinander verbunden, am deutlichsten durch unsere Verwandtschaft - zu Mutter, Vater, Großeltern, ggf. auch zu Geschwistern, Enkeln ... Wir streben einerseits danach, uns als Menschen zu entwickeln, unsere Selbständigkeit zu erlangen und sie im Leben zu behaupten. Andererseits gibt es auch Kräfte in uns, die uns zu anderen Menschen hinziehen, wodurch wir uns als gebunden erleben.
Die Familie ist der Ort, wo dieses natürliche Spannungsverhältnis am deutlichsten erlebbar wird. Als Einzelne sind wir hier eingebunden, werden beobachtet und bewertet, fühlen uns mal unterstützt, mal blockiert, in Schubladen hineingezwängt, aus denen wir vielleicht entweichen wollen. Hier entwickeln wir von Kindheit an unsere sozialen Fertigkeiten, können Liebe und Schmerz erfahren, in verschiedenste Konflikte verstrickt sein.
Familie hat für viele Menschen eine sehr wichtige Bedeutung. Wir werden in sie hineingeboren, müssen als Kind unseren Platz in ihr finden, um uns dann später auch wieder zu lösen. Die verschiedensten Herausforderungen – in die Elternrolle zu wachsen, Schulprobleme, Pubertät, geschwisterliche Konkurrenz, Krankheiten, Trennungen u.v.m. – können Belastungen bewirken. Und manchmal ist die Familie von diesen Belastungen überfordert. Sich diese Tatsache einzugestehen und die Probleme nicht zu verleugnen ist ein erster, bedeutsamer Schritt. Und er ist nicht “ehrenrührig”, sondern zeigt statt dessen vielmehr, dass man Verantwortung übernimmt.
In der Familienberatung betrachten wir das Wechselspiel zwischen allen Beteiligten. Wir schauen uns die Problemfelder an und suchen gemeinsam nach Lösungen. Zur Familienberatung können alle gemeinsam kommen (bitte vorher ankündigen, wie viele Personen erscheinen werden), einzelne oder auch einer allein. Wenn alle gemeinsam zum Termin erscheinen, ist es natürlich am leichtesten möglich, das Zusammenspiel zu betrachten. Doch es ist nicht minder hilfreich, wenn nur ein einziges Mitglied kommt – es kann dann freier über sich sprechen. Und indem es sich selbst entwickelt, nimmt es Einfluss auf die andern, die dann auch nicht gleich bleiben können.
|